III. Statistische Daten

 Datenlage
 Einwohner
 Demographische Entwicklung
 Kinder u. Jugendliche
 Migranten
 Erwerbslose


 

III. Statistische Daten

Datenlage

Das zugrundegelegte Datenmaterial basiert wesentlich auf Angaben des Statistischen Landesamtes Berlin, auf dem vom Statistischen Landesamt herausgegebenen Statistischen Jahrbuch Berlin und auf eigenen Berechnungen. Weitere Daten wurden freundlicherweise von der Jugendhilfeplanerin Steglitz, Frau Kohl und von Herrn Zibis (Kirchenkreis Steglitz) in Kooperation mit Frau Hamm (GSW) zur Verfügung gestellt. Die Thermometersiedlung liegt im Statist. Gebiet Nr. 64 (Lichterfelde Süd und Ost). Die nächst kleinere statistische Einheit, Verkehrszelle 642, enthält die Wohnblöcke Nr. 622,623, 624,625, wobei die südlich gelegenen Wohnblöcke 623 und 625 zum GSW-Bestand gehören, während die nördlich gelegenen Blöcke 622 und 624 eine unterschiedliche Eigentümerstruktur (u.a. Wohnungseigentum) aufweisen. Je kleinräumiger das Gebiet, desto schwieriger wird, nicht zuletzt aufgrund datenrechtlicher Bestimmungen, das Erheben von Daten. Dies gilt insbesondere für Bezieher von Sozialhilfe und Lohnersatzleistungen. So stehen etwa Arbeitslosenzahlen für vorliegende Recherche lediglich auf Verkehrszellenebene zur Verfügung.

Einwohner

Im Bereich der Thermometersiedlung leben derzeit (Stand: 31.12.98) ca. 4500 Bewohner. Im südlichen Sektor (Wohnblöcke 623 u. 625, d.i. der GSW-Bestand) wohnen mit 2800 Personen gut 60%, im nördlichen Sektor (Wohnblöcke 622 u. 624) leben mit 1760 Personen knapp 40% der der Gesamteinwohner.

Einwohner
Thermometersiedlung
absolut%
Gesamt4570 
GSW-Bereich280461,36%
Nicht-GSW-Bereich176638,64%
Stand: 31.12.98

 

Migranten stellen mit knapp 15% (= 682 Einwohner) einen vergleichsweise hohen Bevölkerungsanteil (Steglitz 9,6%). In der Mehrheit (73%) leben sie im südlichen, GSW-Bereich und stellen mit knapp 500 Bewohnern 18% der dortigen Mieterschaft.

Ausländische Einwohner
Gesamt68214,9% der Gesamtbevölkerung
Ausländische Einwohner
südlicher Bereich (GSW)
49817,8% der Bevölkerung
des südlichen Bereichs
Ausländische Einwohner
nördlicher Bereich
18510,4% der Bevölkerung
des nördlichen Bereichs
Stand: 31.12.98

Bezüglich der Altersstruktur der Bevölkerung in der Thermometersiedlung lässt sich für den uns interessierenden Altersbereich im Vergleich zum Steglitzer Durchschnitt ein um ca. 5% höherer Anteil von Kindern und Jugendlichen feststellen. Im Alter von bis zu unter 20 Jahren liegt der Anteil an der melderechtlich registrierten Wohnbevölkerung in der Siedlung bei ca. 22%, in Steglitz bei etwa 17%.

Altersstruktur
Thermometersiedlung
bis 15 Jahre75216,46%
15 - 20 Jahre2605,69%
20 - 45 Jahre142931,27%
45 - 65 Jahre143531,40%
ab 65 Jahre69415,19%
Gesamt4570100,00%
Stand: 31.12.98

 

Demographische Entwicklung

Die demographische Entwicklung der Thermometersiedlung wiederspiegelt die typische Dynamik der in den 60er und 70er Jahren erbauten Stadtrandsiedlungen und weist im Vergleich etwa zur Bevölkerungsentwicklung des Bezirks Steglitz z.T. signifikante Besonderheiten auf.

Bezogen auf demographische Entwicklungen in Stadtrandsiedlungen ist das Problem sogenannter Alterswellen fachbekannt. Dahinter steht die Beobachtung, dass, wie auch in der Thermometersiedlung festzustellen, nach Fertigstellung einer Siedlung überwiegend junge Familien mit Kindern als Erstbezieher die Wohnungen belegen. Während die Elterngeneration als Erstmieter häufig über einen längeren Zeitraum in der Siedlung wohnt, ist für die nachwachsende Generation, anders als etwa in kleinteilig angelegten Neusiedlungen in denen bei Bedarf eher die Möglichkeit von An-, Aus- und Neubauten für junge Familien besteht, kein Platz vorhanden. Sie haben nach Wohnmöglichkeiten außerhalb der Siedlung Ausschau zu halten.

In der Studie von Weeber u. Partner über den GSW-Bereich der Thermometersiedlung von 1988 wird festgestellt, dass "zwischen 53% und 72% der Mieter länger als fünf Jahre" dort wohnen und unter diesen "der Anteil der Erstmieter sehr hoch (ist), die schon bei Fertigstellung der Siedlung vor 17 und mehr Jahren eingezogen sind" (Weeber, 1988, S. 136).

Die Bewohner altem gewissermaßen gemeinsam mit ihrer Siedlung. In der Folge nimmt die Bevölkerung insgesamt ab, ohne dass dadurch Wohnraum freigemacht würde. D.h., die in der Siedlung vorhandenen Wohnungen werden von insgesamt weniger Mietern bewohnt, die individuell zur Verfügung stehende Wohnungsgröße steigt.

So ist in der Thermometersiedlung im Zeitraum von 1973 bis Ende 1998 ein Rückgang der Bevölkerung um ein Fünftel (1084 Personen = 19,83%) zu konstatieren, während die Statistik für den Bezirk Steglitz eine Bevölkerungszunahme um 1,6%, im gesamten Stadtgebiet sogar um 6,8% (1970 - 1997) ausweist.

Demographische Entwicklung in der Thermometersiedlung

über einen Zeitraum von 25 Jahren (1973 -1998):

JahrEinwohner
19735654
19805333
19874875
19984570

 

Und im vergangenen Zehnjahreszeitraum zwischen Ende 1987 bis Ende 1997 ist in der Thermometersiedlung gar ein im Vergleich zur Berliner und Steglitzer Entwicklung gegenläufiger Trend zu registrieren: betrug der Bevölkerungsanstieg im Bezirk Steglitz 5% (9091 Personen), so nahm die Bevölkerung in der Thermometersiedlung im selben Zeitraum um 6,26% (305 Personen) ab.

Darüber hinaus ist zwischen 1987 bis 1997 eine deutlich unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung in den verschiedenen Wohnblöcken der Siedlung zu beobachten. Während sich im genannten Zeitraum die Bevölkerungsentwicklung im südlichen Bereich der Siedlung (Sozialwohnungen des GSW-Bestandes) stabilisierte - die absolute Zahl liegt dort unverändert bei 2800 Einwohnern, nahm die Bevölkerung im nördlichen Bereich der Siedlung um 15% ab.

Zugleich hat sich im genannten Zeitraum die Altersstruktur der Bewohner gravierend verändert. Ist im südlichen (GSW-)Bereich eine deutliche Verjüngung festzustellen, so hat im nördlichen Sektor der Anteil Älterer zugenommen.

Südlicher Bereich: Der Anteil der Kinder bis 15 Jahren hat um 58% zugenommen (von 475 in 1987 auf 725 in 1998), der Anteil der Jugendlichen zwischen 15 bis unter 20 Jahren ist derweil bei ca. 270 Personen konstant geblieben. Der Anteil der über 65jährigen liegt bei 12,3% (Steglitz: 17,5%).
Nördlicher Bereich: Hier liegt der Anteil der über 65jährigen Ende 1998 bei knapp 20% (350 Personen), der der 45-65jährigen mit 635 Personen bei 36% (Steglitz: 30%) und der Anteil der Kinder und Jugendlichen von 0 bis unter 18 Jahren beträgt lediglich 11% (198).


Die Betrachtung der Altersgruppen in der Thermometersiedlung von 1973 bis heute zeigt eine typische Entwicklung einer Stadtrandsiedlung. Findet in gewachsenen urbanen Strukturen ein individueller Alterungsprozess der jeweiligen Bewohner statt, so kann man sagen, dass in den Stadtrandsiedlungen der 60er und 70er Jahre ein kollektiver Alterungsprozess festzustellen ist:

eine ganze Siedlung altert gemeinsam. War Anfang der 70er Jahre die Gruppe der 30 bis 40jährigen dominant, so war es in den 80em die der 40 bis 50jährigen und heute sind es die 50 bis 60jährigen. Insgesamt stellen die über 45jährigen im nördlichen Bereich derzeit 56% der Bewohner (Bezirk Steglitz 47,5%). Im GSW-Bereich liegt deren Quote bei 40%. Hier sind in den vergangenen Jahren überproportional viele Kinder zugezogen, bzw. geboren worden, die nun "Unruhe" in eine gealterte Mieterschaft bringen. Nur langsam wird sich ein Stadtteil mit auffälliger Sozialstruktur analog zum regionalen Durchschnitt entwickeln. Es ist zu vermuten, dass ein Teil der Unzufriedenheit der Quartiersbewohner mit der dargestellten demographischen Entwicklung zu erklären ist. Während sich die gemeinsam mit der Siedlung gealterten Dauermieter mit "ihrer" Siedlung arrangiert haben und eine in sich stimmige Identität mit ihrer städtischen Heimat entwickelt haben, werden neue Mieter mit kleinen Kindern, Mitbewohner aus anderen Kulturkreisen oder mit sozialen Problemen als störend und belastend empfunden. Wie umgekehrt Neumieter nur schwer Zugang zu entweder festgefügten Nachbarschaften, bzw. zu kontaktscheuen, oft vereinsamten und ängstlichen Altmietern finden.

Kinder u. Jugendliche

Mit der oben dargestellten Abnahme der Bevölkerung, hat sich auch deren Altersstruktur verändert. Betrachten wir die Entwicklung unserer Zielgruppe Kinder- und Jugendliche im Alter von bis zu 20 Jahren, so ergibt sich folgendes Bild:

Augenfällig ist die Abnahme des Kinderanteils der unter 15-jährigen im Zeitraum 1973 bis 1987 um knapp die Hälfte (49%). Wie bereits erwähnt, entwickeln sich demographischen Strukturen einer Stadtrandsiedlung im Vergleich zu gewachsenen innerstädtischen Quartieren deutlich unterschiedlich. So zogen nach Fertigstellung der Siedlung vor allem junge Familien mit Kindern in das Quartier. Im Verlauf der folgenden ca. 15 Jahre blieb die Elterngeneration im Quartier wohnen, die Jüngeren zogen mangels ausreichenden Wohnraumes aus. Seit Mitte der 80er Jahre steigt der Kinderanteil wieder an. Neuzuzüge jüngerer Familien, hierunter auch Aus- und Umsiedlerfamilien aus dem Osteuropäischen Raum, sorgen für Nachwuchs. Besonders deutlich fällt der Anstieg des Anteils von Kindern bis 15 Jahren in den vergangenen 10 Jahren (bis 1998) aus. Er liegt mit derzeit insgesamt 752 Kindern bereits wieder über der Marge von 1980.

Altersgruppen
 1973198019871998
bis 15 Jahre969687475752
15 - 20 Jahre182344277260
Gesamt115110317521012

 

Für die z.Z. brachliegende Jugendarbeit heißt das auf quantitativer Ebene:

Über die derzeit im Quartier lebenden 500 Jugendlichen im Alter von 6 bis unter 18 Jahren hinaus, wächst in den kommenden Jahren eine kontinuierlich ansteigende Zahl weiterer Jugendlicher nach.

Hinzu kommen die hier nicht explizit erfassten, in der Siedlung Woltmannweg lebenden Jugendlichen, sowie die in die Neubausiedlung Lichterfelde-Süd einziehenden Kinder und Jugendlichen.

Migranten

Der Anteil Migranten nichtdeutscher Herkunft im Untersuchungsgebiet beträgt zum Stichtag 31.12.1997 knapp 15% (im GSW-Bereich 17,8%; 31.12.98), liegt also gegenüber einem Ausländeranteil in Berlin von 12,85 % und von 9,64 % in Steglitz relativ hoch. Migranten deutscher Abstammung sind hier nicht gesondert ausgewiesen; ihre Daten sind unter der Gesamtbevölkerung subsummiert.

Laut Auskunft der GSW liegt der Aussiedleranteil an den deutschen Mietern der GSW bei etwa 13%.

 

Ausländer in:

Berlin

Steglitz

Thermometersiedlung
zum 31.12.1997440.24718.416681
in % der Bevölkerung12,85%9,64%14,90%

Von den insgesamt 1012 Kindern und Jugendlichen in der Siedlung, sind 197 nichtdeutscher Herkunft, das entspricht einem prozentualen Anteil von 19,5% (gegenüber 15% Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung der Thermometersiedlung).

Liegt der Anteil von Kindern und Jugendlichen bis unter 20 Jahren bei der deutschstämmigen Bevölkerung bei 18%, so sind es bei der ausl. Bevölkerung 29%.

Perspektivisch bedeutet das (nicht nur) für die Jugendarbeit, dass sie sich in den kommenden Jahren auf einen kontinuierlich zunehmenden Anteil ausländischer Jugendlicher einzustellen hat.

Migranten
Thermometersiedlung
%absolut
Gesamt 681
unter 15 Jahren22,61%154
15 bis 20 Jahre6,31%43
20 bis 45 Jahre46,70%318
45 bis 65 Jahre20,12%137
65 Jahre und älter4,26%29

 

Abschließend sei festgestellt, dass, wenn hier der Anteil ausländischer Bewohner gesondert aufgeführt wird, damit keinesfalls implizit unterstellt wird, ausländische oder fremdsprachige Bewohner würden per se zur Destabilisierung eines Gebietes beitragen. Es sei hier definitiv festgestellt, dass die ausländischen bzw. fremdsprachigen Bewohner allenfalls als ein hypothetischer Risikofaktor anzusehen sind.

Vielmehr, so scheint es, sind die Reaktionen der ansässigen deutschen Bevölkerung, wie etwa die Angst vor "Überfremdung", Misstrauen und Unverständnis vor "fremden" Kulturen, Sprachschwierigkeiten etc. genauer zu hinterfragen. Denn trotz eines erhöhten Ausländeranteils ist aus unserer Sicht vorerst keine spezielle "Ausländerproblematik" in der Siedlung zu beobachten. Tatsächliche oder lediglich projizierte Schwierigkeiten des Zusammenlebens von Deutschen und Ausländern interpretieren wir in erster Linie als sich aus demographischen Verschiebungen ergebende Notwendigkeit der Neuorientierung: Die gemeinsam mit ihrer Siedlung älter gewordenen Dauermieter, haben Probleme mit der "Gewöhnung" an und Akzeptanz von neuen Mitbewohnern. Dessen ungeachtet kann nicht geleugnet werden, dass es natürlich auch Konflikte in der Begegnung unterschiedlicher Kulturen gibt. So verhalten sich auch ausländische Jugendliche renitent, sind laut, pöbeln eventuell die Älteren an. Jedoch ist keinerlei besondere Auffälligkeit hinsichtlich etwaiger Unterschiede in Qualität oder Quantität delinquenten Verhaltens zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen festzustellen.

Erwerbslose

Der Bezirk Steglitz liegt bezüglich der Arbeitslosenzahlen im Berliner Vergleich am unteren Ende der Skala. Liegt die Arbeitslosenquote in Berlin bei 15,3 % (l 1/98), so sind es in Steglitz "lediglich" 13 %. Am oberen Ende der Berliner Bezirke stehen Kreuzberg mit einer Quote von 29,2 % und Neukölln mit 22,4 %, am unteren Ende, hinter Steglitz, die Bezirke Wilmersdorf(13 %), Hohenschönhausen (12,7 %) und Zehlendorf (10,9 %). Im innerbezirklichen Vergleich sind jedoch Ungleichzeitigkeiten festzustellen. Schauen wir auf die Jugendarbeitslosigkeit - leider liegen für die Thermometersiedlung keine gesonderten Zahlen vor - so ist das Gebiet um den Bahnhof Lichterfelde, enthaltend u.a. die Thermometersiedlung, deutlich stärker betroffen, als das nächstgrößere Statistische Gebiet 64. In der Verkehrszelle 642 (Bahnhof Lichterfelde) sind 93 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,1% und 80 junge Erwachsene zwischen 20 und 25 Jahren, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 14,7% arbeitslos gemeldet.

Erwerbslose (31.12.98):unter 25 J.Quote20-25 J.Quote
Lichterfelde Ost u. Süd (Stat Gebiet 64)1995,6%16310,0%
Bhf. Lichterfelde (Verkehrszelle 642)938,1%8014,7%

Zum Vergleich: In Berlin, Stand 10/98 (Daten des Landesarbeitsamtes von 11/98) liegt dagegen die Arbeitslosenquote von Jüngeren unter 25 Jahren bei 21,5%. Auch am Beispiel Jugendarbeitslosigkeit zeigt sich erneut, dass die Thermometersiedlung nicht mit innerstädtischen Problemgebieten vergleichbar ist. Dennoch ist als objektiver Befund eine im Vergleich erhöhte Jugendarbeitslosigkeit in der Region festzustellen. Darüber hinaus ist zu vermuten, und nach vergleichbaren Wahrnehmungen der Teilnehmer der Stadtteilversammlung (Runder Tisch Thermometersiedlung) sprechen alle Indizien dafür, dass in der Siedlung selbst und hier ganz speziell in deren südlichen Wohnblocks, die Jugendarbeitslosigkeit deutlich höher als oben ausgewiesen ausfällt und der Mangel an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sich bei betroffenen Jugendlichen in zunehmender Perspektivlosigkeit mit bekannten psychosozialen Folgewirkungen artikuliert.

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