I.Träger NHW e.V.

Projekt: BUS-STOP

 1. Zielgruppe
 2. Kosten
  2.1. Team
  2.2. Räumlichkeiten
  2.3. Konsumptive Ausgaben
 Vorbereitende Recherche und Prämissen


 

I. Träger NHW e.V.

Seit über20 Jahren arbeitet der aus einem nachbarschaftlichen Selbsthilfegedanken erwachsene gemeinnützige Verein NHW (Nachbarschaft hilft Wohngemeinschaft) als freier Träger der Berliner Jugendhilfe im Bezirk Steglitz. Ausgehend von dem Ziel, Alternativen zur Heimerziehung zu entwickeln, wurden vorerst mehrere Jugendwohngemeinschaften eingerichtet. Später wurde die Arbeit um sozialpädagogisch betreutes Einzelwohnen für Jugendliche erweitert. Eine Erziehungswohngruppe mit derzeit sieben Schulkindern und zwei innewohnenden Sozialpädagogen arbeitet erfolgreich seit zehn Jahren. Seit 1992 wird in Not geratenen Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 0 bis 5 Jahren in 22 Kinderschutzstellen in Form einer Krisenunterbringung Schutz, Pflege, Förderung und individuelle Zuwendung zuteil. Im ambulanten Sektor arbeiten zwei Kolleginnen seit einem Jahr im Bereich Soziale Gruppenarbeit. In den letzten Jahren ist daneben der Ansatz der stadtteilorientierten Gemeinwesenarbeit stärker verfolgt worden. So hat der Verein in Lichterfelde ein im Wesentlichen von Ehrenamtlichen betriebenes Nachbarschaftscafé als Begegnungsstätte eröffnet und konnte im Mai 99 das Einjährige begehen.

Die Beobachtung zunehmender Vereinzelung, Desinteresse und Langeweile bei Kindern und Jugendlichen bei gleichzeitiger Reduzierung bzw. Einstellung von Jugendarbeit und Jugendberatung aufgrund drastischer Verknappung öffentlicher Mittel, führte zu der Idee, seitens NHW eine möglichst mobile und flexible, dabei zugleich kostensparende Jugendarbeit und Jugendberatung anzubieten.

Projekt: BUS-STOP

Das lebenswelt- und sozialraumorientierte Pilotprojekt BUS-STOP startete im November 1998 mit der konzeptionellen Vorbereitung und konnte Ende April 1999 in der Region Lichterfelde-Süd mit der praktischen Arbeit beginnen.

1. Zielgruppe

"Unterversorgte" Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von ca. 13 bis 21 Jahren;

spezielles Augenmerk gilt Mädchen und jungen Frauen.

Zusätzlich wird derzeit montags und freitags ab 16 Uhr im BUS-STOP-Pavillon auf dem Parkplatz vor dem Giesensdorfer Gemeindehaus, Celsiusstraße, offene Kinderarbeit angeboten.

2. Kosten

Die Kosten für aufsuchende Jugendarbeit und Jugendberatung untergliedern sich in drei Bereiche:

  1. Personalkosten / Team
  2. Bedarf an Räumlichkeiten
  3. Konsumptive Ausgaben

2.1. Team

Das Team BUS-STOP besteht aus den Sozialpädagoginnen Kristin Ahrens (Koordinatorin NHW/BUS-STOP) und Tanja Dannenberg, dem Sozialpädagogen Jürgen Bischof und dem Sozialwissenschaftler Klaus Herrmann. Dank einer Arbeitsamtsförderung fallen für die drei Letztgenannten z.Z. keine Personalkosten an.

Zusätzlich werden studentische Praktikanten aus den staatlichen und konfessionellen Fachhochschulen für Sozialarbeit in die Arbeit vor Ort unterstützend eingebunden.

2.2. Räumlichkeiten

Da primär keine verortete Jugendarbeit, allenfalls die bedarfsorientierte und möglichst kostenneutrale Nutzung von Stützpunkten angestrebt ist, fallen derzeit auch keine Kosten für Miete, Pacht, Unterhalt einer stationären Einrichtung an:

  • Für Planungs- und Verwaltungsaufgaben wird die Geschäftsstelle von NHW genutzt.
  • Für Mädchenberatung steht das von NHW betriebenen "Café N\achbar" in Räumlichkeiten der Johanneskirche, Ringstraße, unentgeltlich zur Verfügung.
  • Als Anlaufstelle für Mädchenberatung kann derzeit das Mädchentreff "Bella", Ostpreußendamm, kostenfrei genutzt werden.
  • Für Jugendarbeit in der Thermometersiedlung stellt die Giesensdorfer Kirchengemeinde vorerst für ein Jahr einen kostenfrei zu nutzenden Raum im Gemeindezentrum Celsiusstraße zur Verfügung.
  • Darüber hinaus wird BUS-STOP mit einem mobilen Pavillon nach Bedarf an verschiedenen Standpunkten der Siedlung präsent sein.
  • DieSporthalle der Mercatorschule kann in Absprache mit dem Direktor, Herrn Grötzner, in den Nachmittagsstunden unter fachlicher Anleitung und Aufsicht eines NHW-Übungsleiters für die offene Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden.
  • Für aufsuchende Sozialarbeit im Sinne eines Programms "Abenteuer vor der Haustür", aber auch für Ausflüge und Reisen wird voraussichtlich nach den Sommerferien 1999 ein großer Bus (ehem. Steglitzer Büchereibus) zur Verfügung stehen.

Der Verein NHW wird den Kauf und Umbau des Busses aus Spendenmitteln seiner Mitglieder finanzieren.

Die Finanzierung der laufenden Unterhaltskosten von, nach Zustand des Fahrzeuges, etwa 7.700,- EUR p.a. ist noch nicht abschließend geklärt (evtl. Antrag auf Anschubfinanzierung bei dem Programm "Jugend mit Zukunft"). Zukünftig soll der laufende Betrieb über Sponsoring finanziert werden.

2.3. Konsumptive Ausgaben

Kosten für Materialien der inhaltlichen Arbeit sowie für kleinere Unternehmungen übernimmt derzeit der Träger NHW. Darüber hinaus werden Sachspenden eingeworben. Z.B. stellt die "Berliner Tafel" im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Jugendarbeit des NHW Speisen und Getränke unentgeltlich zur Verfügung, die an Kinder und Jugendliche ausgegeben und auf mobil einsetzbarem Equipment (Klappbänke und -tische, Sonnenschirme, Pavillonzelt) vor Ort verzehrt werden können.

Vorbereitende Recherche und Prämissen

Detaillierte Kenntnisse über Strukturen und soziales Klima einer Siedlung, über Lebenssituationen und Problemlagen ihrer Bewohner, sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit im Sozialraum.

In einem ersten Arbeitsschwerpunkt erkundet das Team BUS-STOP seit November 1998 den Bezirk Steglitz auf unterschiedlichen Ebenen. Stadtteilbegehungen zu verschiedenen Tageszeiten, Aufsuchen sozialer Brennpunkte und Erkunden von Treffpunkten Jugendlicher werden ergänzt durch Gespräche mit Fachleuten (Schulpsychologinnen, Pfarrer, Gemeinwesenarbeiter, Lehrerinnen, Sozialpädagogen, Erzieherinnen, der Steglitzer Jugendhilfeplanerin, dem Koordinator des bezirklichen Präventionsbeirates, Stadträten) und Anwohnern vor Ort. Angemeldete und spontan sich ergebende Besuche in sozialen und kulturellen Institutionen vermitteln ein Bild sozialer Realität des jeweiligen Quartiers. Sie dienen darüber hinaus der Herstellung von Kontakten mit der Perspektive einer Vernetzung soziokultureller Projekte und Initiativen vor Ort und der Gewinnung möglicher Kooperationspartner.

Als wichtige Austausch- und Informationsquelle haben sich die regelmäßig zu thematischen Schwerpunkten tagenden Steglitzer Arbeitsgruppen der Jugendhilfe mit Vertretern des Bezirksamtes und von Freien Trägem (gemäß § 78 KJHG) bewährt. Darüber hinaus dienen der "Runde Tisch Thermometersiedlung", die Stadtteilkonferenzen Lankwitz, aber etwa auch ein Vertrags- und Diskussionsabend in der "Alten Eisbahn" zum Thema Quartiersmanagement in Lichterfelde-Süd als Sammelbecken aussagekräftiger Erfahrungen und Beobachtungen im Quartier. Nicht zuletzt befasste sich der Präventionsbeirat Steglitz auf seiner dritten Sitzung am 27.5.99 erstmals explizit mit dem Bereich Lichterfelde-Süd. Grundlage der Beratung waren vom Bezirksamt und von Vertretern der Initiativen vor Ort zusammengestellte statistische Daten und empirische Berichte.

Wir haben Statements zu unterschiedlichsten Themenbereichen protokolliert. Deren Wiedergabe ist nicht autorisiert, erfolgt daher ohne Namensnennung. Zusammengestellt sind sowohl Angaben von Vertretern aus einer bestimmten Institution, als auch Angaben über die jeweilige Institution.

D.h., es geht weniger um eine im sozialwissenschaftlichen Sinne stringente Analyse, vielmehr fügt sich aus den erkundeten unterschiedlichen Facetten ein "Bild" des Sozialraumes . Das Ergebnis liegt hier in Form der Sozialraumrecherche vor. Es ist vorläufig und unvollständig und gewinnt erst durch seine Fortschreibung aufgrund der Erfahrungen in der laufenden sozialpädagogischen Jugendarbeit an Konturen. Erst die Aktualisierung durch konkrete Arbeit im Quartier wird ein lebendiges Bild des Sozialraumes erwachsen lassen, welches als Sozialraumanalyse Bestand hat.

Den Spagat zwischen der Erhebung objektiver Daten, subjektiv gefärbten Erfahrungsberichten und deren Verdichtung zu einer handhabbaren Sozialraumanalyse einerseits und einer möglichen Bewertung der so gewonnenen Ergebnisse als Legitimationsstrategie zur Begründung lediglich der eigenen Arbeit auf der anderen Seite, werden auch wir nicht ohne weiteres positiv auflösen können. Der Doppelcharakter ist der Recherche immanent. Wir können lediglich versuchen, uns dem Gegenstand - Jugend in Lichterfelde-Süd - möglichst behutsam und kritisch zu nahem, ausräumen werden wir den latenten Verdacht, Bedarfe erst zu wecken, sicher nicht. Es kann jedoch nicht darum gehen, eine eventuelle Bedrohungslage erst zu konstruieren oder eine eventuell Bestehende dramatisch auszuweiten. In erster Linie handelt es sich darum, präventiv tätig zu werden und das heißt gerade nicht, eine ganze Altersstufe unter den Generalverdacht potentieller Störer oder Gewalttäter zu stellen, sowie Sicherheit und Ordnung (für wen eigentlich ?) als unhinterfragte Maxime der Quartiersarbeit zu begreifen.

Positiv formuliert: Prävention in der Jugendarbeit heißt Arbeit mit Jugendlichen auch ohne Delinquenz. Prävention in der lebensweltbezogenen Sozialarbeit heißt, gegenseitige Achtung - nicht nur - zwischen Jung und Alt herzustellen, sowie behutsam, bewusstseinsbildend und unter Beachtung berechtigter Interessen der Quartiersbewohner an der Entwicklung einer neuen "Unsicherheitstoleranz" mitzuwirken. Voraussetzung für eine integrierte und nachhaltige Jugendarbeit im Quartier ist daher auch, selbstverständlich unter weitgehender

Respektierung legitimer Ruhe- und Sicherheitsbedürfnisse der Anwohner, die hauptstadtgerechte "Sauberkeits- und Sicherheitspolitik" in ihrer ideologischen Dimension und in ihren Konsequenzen für Jugendliche zu hinterfragen, der Jugend ihren Platz in unserem gemeinsamen Lebensraum zu gewähren und ideelle wie materielle Unterstützung bei der Schaffung von Frei- und Erlebnisräumen anzubieten. Die Kür lebensweltorientierter Jugendarbeit wäre in jedem Fall, die von den aktuellen Bedürfhissen der Jugend strukturierten, dabei ständigem Wandel unterworfenen kulturellen Äußerungen weder der Stigmatisierung, noch umgehender Vermarktung anheim fallen zu lassen und zugleich darauf zu achten, Privilegien der Jugend, wie etwa das Erproben neuer kultureller Lebensformen, verbunden vielleicht auch mit dem Hang zur sozialen Widerständigkeit, nicht durch aufsuchende Sozialarbeit im Keim zu ersticken.

Kapitel II  »  


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